Die Banalität des Wiesn-Fotobuches scheint der ideale Aufhänger für die künstlerische Erforschung soziologischer Phänomene im Sinne sozialer Schichtungen und unverhohlener Inszenierungen von Illusionen zu sein. Zugehörigkeiten und Distinktionen gehen hier eine besonders verwirrende Symbiose ein. Die Wiesn ist der Widerspruch als Großinstallation Wagnerschen Ausmaßes. Ein internationales Publikum feiert lokale Traditionen als Disneyland des Volkstümlichen. Die globale Elite, die sich als Weltbürger empfindet, feiert gemeinsam mit den „Lokals“ das gänzlich unbefangene Sosein. Im VIP-Bereich der Toleranz kann dann den allerbasalsten Freuden gefrönt werden, ohne dass man sich etwas vergibt. Die Illusion dieser Harmonie addiert sich zu den mit gigantischem Aufwand und modernster Technik ausgestatteten Spaßmaschinen, die die Besucher in der Luft herumwirbeln, zu einem Spektakel inszenierter oder zuweilen auch echter Lebensfreude. Dietrich Dube erforscht hier, was heute nach den Anforderungen des Persönlichkeitsschutzes und Künstlicher Intelligenz von den Möglichkeiten der „Street Photography“ noch übrig ist. Und er kombiniert das mit der Frage nach Zugehörigkeiten zu Klassen beziehungsweise gesellschaftlichen Schichten und ihrem ästhetischen Verständnis. Wer elastisch zwischen ästhetischen Welten, Zugehörigkeiten und Identitäten wechseln kann, hat hier sicher viel Spaß – auf der Wiesn und mit dem Buch.